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TEst
Die 11 besten Enemies-to-Lovers Fantasybücher: Wenn aus Hass Sehnsucht wird
Warum funktioniert ein Trope, bei dem sich zwei Figuren am liebsten gegenseitig umbringen würden, in der Fantasyliteratur so zuverlässig als Liebesgeschichte? Die Antwort liegt vermutlich darin, dass Konflikt bereits eingebaut ist, bevor überhaupt ein Gefühl entstehen muss. Zwei Menschen, die sich hassen, müssen sich nicht erst kennenlernen, um Spannung zu erzeugen, die Spannung ist von der ersten Begegnung an da. Wer sich durch endlose Bestenlisten klicken muss, um herauszufinden, welches Buch diesen Effekt tatsächlich einlöst und welches nur mit dem Etikett wirbt, hat wenig Zeit und noch weniger Lust, sich durch Mittelmaß zu lesen. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf elf Titel, die den Wandel von Feindschaft zu Zuneigung nicht nur behaupten, sondern tatsächlich erzählerisch tragen.
Die Auswahl
Bevor die einzelnen Bücher folgen, ein kurzer Hinweis zur Auswahl: Ein echtes Enemies-to-Lovers-Buch basiert auf einem Konflikt, der etwas bedeutet, sei es Krieg, politische Zugehörigkeit oder persönlicher Verrat. Reine Neckerei zwischen zwei Figuren, die sich am Ende ohnehin sympathisch sind, zählt hier nicht dazu. Die folgenden elf Titel wurden danach ausgewählt, wie konsequent sie diesen Gegensatz aufbauen und wie überzeugend sie ihn auflösen.
Wer sich bereits durch endlose BookTok-Empfehlungen gescrollt hat, kennt das Problem: Fast jedes zweite Buch wirbt inzwischen mit dem Etikett Enemies to Lovers, obwohl die eigentliche Feindschaft kaum über ein unfreundliches erstes Gespräch hinausgeht. Das kostet Zeit, die viele Leserinnen und Leser neben Job, Familie oder Studium ohnehin knapp bemessen haben, und es führt zu Frust, wenn ein Buch das Versprechen im Klappentext nicht einlöst. Die folgende Auswahl versucht deshalb, genau diese Enttäuschung zu vermeiden, indem sie sich auf Titel konzentriert, bei denen der Konflikt zwischen den Hauptfiguren tatsächlich etwas auf dem Spiel stehen hat, bevor er sich in Zuneigung auflöst.
Interessant ist außerdem, wie unterschiedlich die einzelnen Autorinnen den Ausgangspunkt der Feindschaft wählen. Manche setzen auf familiäre Schuld, andere auf berufliche Konkurrenz, wieder andere auf Kriege zwischen ganzen Völkern oder Göttern. Diese Bandbreite zeigt, dass der Trope selbst kein festes Rezept verlangt, sondern vor allem eine klare Motivation braucht, warum zwei Figuren sich zunächst tatsächlich nicht ausstehen können.
Elfenkrone von Holly Black
Jude Duarte wächst als sterbliches Mädchen am Hof der Feen auf, nachdem ihre Eltern von einem fae General ermordet wurden. Am Hof begegnet sie Prinz Cardan, dem jüngsten und grausamsten der königlichen Geschwister, der sie und ihre Schwester bei jeder Gelegenheit demütigt. Allerdings verschiebt sich das Machtgefüge, sobald Jude beginnt, die höfischen Intrigen selbst für sich zu nutzen. Dadurch wird aus reiner Feindschaft ein Machtspiel, bei dem keiner der beiden zugeben will, wie sehr er den anderen respektiert. Black baut ihre Welt so sorgfältig auf, dass die Verschiebung von Verachtung zu Verlangen nachvollziehbar bleibt, obwohl beide Figuren bis zum Schluss lügen, betrügen und sich gegenseitig hintergehen. Wer Fae-Höfe mag, in denen niemand ist, wofür er sich ausgibt, findet hier den Ausgangspunkt eines der meistgelesenen Enemies-to-Lovers-Reihen der letzten Jahre.
Fourth Wing von Rebecca Yarros
Violet Sorrengail sollte eigentlich Schreiberin werden, wird aber gegen ihren Willen in die tödliche Drachenreiterakademie von Basgiath geschickt. Dort trifft sie auf Xaden Riorson, den Anführer einer Fraktion, deren Vater von Violets Mutter hingerichtet wurde. Xaden hat also allen Grund, Violet zu hassen, und macht daraus zunächst auch keinen Hehl. Die Ausbildung selbst ist lebensgefährlich, wodurch die beiden immer wieder aufeinander angewiesen sind, obwohl sie sich eigentlich aus dem Weg gehen wollten. Yarros verknüpft militärische Ausbildung, Drachenbindung und Machtpolitik so eng miteinander, dass die Annäherung zwischen Violet und Xaden nie losgelöst vom Rest der Handlung wirkt. Gerade weil beide Figuren wissen, dass ihre Familien einander etwas schulden, bleibt die Spannung bis weit in die Reihe hinein bestehen.
A Court of Thorns and Roses von Sarah J. Maas
Feyre tötet zu Beginn der Reihe einen Wolf, der sich als verwandelter Fae herausstellt, und wird zur Strafe an den Fae-Hof gebracht. Dort trifft sie auf Rhysand, den Hochlord des Nachthofs, der zunächst als Bedrohung und Rivale von Feyres eigentlichem Beschützer Tamlin eingeführt wird. Über mehrere Bände hinweg verschiebt sich das Bild jedoch deutlich, weil Rhysand sich als weitaus vielschichtiger erweist, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Hingegen bleibt die Spannung zwischen ihm und Feyre lange von Misstrauen geprägt, da beide unterschiedliche politische Interessen verfolgen und sich gegenseitig manipulieren. Maas nutzt diesen Konflikt, um ihre Fae-Politik greifbar zu machen, statt die Feindschaft nur als Vorwand für Romantik zu behandeln. Wer Hofintrigen mag, bei denen Zuneigung erst durch gemeinsame Kämpfe entsteht, findet in dieser Reihe reichlich Material.
Throne of Glass von Sarah J. Maas
Celaena Sardothien ist eine verurteilte Meuchelmörderin, die aus einem Straflager geholt wird, um am Hof des Königs für ihre Freiheit zu kämpfen. Kapitän Chaol Westfall, der sie eigentlich bewachen soll, begegnet ihr zunächst mit offener Ablehnung, da sie für alles steht, was er als Ordnungshüter bekämpft. Dennoch verändert sich diese Dynamik, sobald beide erkennen, dass der eigentliche Feind am Hof selbst sitzt. Später übernimmt der Fae-Krieger Rowan Whitethorn eine ähnliche Rolle, allerdings mit einer noch schärferen Ausgangsfeindschaft, da er Celaena zunächst mit Zwang und Verachtung begegnet. Maas zeigt in dieser Reihe mehrfach, wie aus erzwungener Zusammenarbeit echte Bindung entstehen kann, ohne dass die anfängliche Härte zwischen den Figuren nachträglich verharmlost wird.
Serpent & Dove von Shelby Mahurin
Lou ist eine Hexe, die vor ihrem eigenen Zirkel flieht, während Reid als Jäger der Kirche ausgebildet wurde, um genau solche Hexen zu verfolgen und zu töten. Eine Verkettung von Umständen zwingt beide in eine Zwangsehe, wodurch sie gezwungen sind, unter einem Dach zu leben, obwohl jeder von ihnen alles verkörpert, was der andere bekämpfen soll. Reid weiß lange nicht, dass Lou eine Hexe ist, was der Geschichte eine zusätzliche Ebene aus Täuschung und drohender Entdeckung verleiht. Schließlich bricht diese Täuschung auf, und beide müssen sich fragen, ob ihre Zuneigung stärker ist als das, wofür sie erzogen wurden. Mahurin verbindet religiösen Fanatismus, Hexenverfolgung und eine französisch anmutende Fantasywelt zu einer Geschichte, in der die Feindschaft nicht nur persönlich, sondern strukturell verankert ist.
From Blood and Ash von Jennifer L. Armentrout
Poppy wurde von Kindheit an als Auserwählte isoliert und überwacht, ihr gesamtes Leben ist der Verehrung eines Königreichs untergeordnet, das sie kaum kennt. Hawke, ihr neuer Leibwächter, verbirgt zu Beginn seine wahre Identität und damit auch seine eigentlichen Absichten ihr gegenüber. Dadurch entsteht eine Geschichte, in der Vertrauen erst mühsam aufgebaut werden muss, während gleichzeitig eine politische Verschwörung im Hintergrund läuft, die beide betrifft. Sobald Hawkes wahre Rolle offenbart wird, verschiebt sich die gesamte Beziehung noch einmal grundlegend, weil Poppy erkennen muss, dass sie über Wochen hinweg getäuscht wurde. Armentrout nutzt diese doppelte Täuschung, um aus einer klassischen Bodyguard-Romanze eine Geschichte mit echtem Enemies-to-Lovers-Kern zu machen, sobald klar wird, wofür Hawke tatsächlich steht.
The Bridge Kingdom von Danielle L. Jensen
Lara wird als Spionin in das verfeindete Königreich Vera geschickt und mit dessen König Aren verheiratet, mit dem einzigen Auftrag, sein Reich von innen heraus zu zerstören. Aren wiederum weiß um die Gefahr, die von seiner neuen Frau ausgeht, unterschätzt jedoch lange, wie tief ihre Loyalität zu ihrer Heimat reicht. Beide führen also von Anfang an ein doppeltes Spiel, wodurch jede Annäherung zwischen ihnen zugleich ein taktischer Zug und ein echtes Gefühl sein könnte. Jensen hält diese Ambivalenz über weite Strecken des Buches aufrecht, sodass die Leserschaft ebenso wenig sicher sein kann wie die Figuren selbst, wem am Ende zu trauen ist. Gerade weil Spionage und Zuneigung hier untrennbar miteinander verwoben sind, gehört dieser Titel zu den konsequenteren Umsetzungen des Tropes.
Kingdom of the Wicked von Kerri Maniscalco
Emilia stammt aus einer Familie von Hexen, deren Zwillingsschwester ermordet wird, woraufhin Emilia beschließt, den Dämonenprinzen Wrath zu beschwören, um Rache zu nehmen. Wrath ist jedoch kein gewöhnlicher Verbündeter, sondern einer der sieben Prinzen der Hölle, dessen eigentliche Absichten Emilia lange verborgen bleiben. Beide brauchen einander zunächst nur aus strategischen Gründen, da Emilia Antworten sucht und Wrath eigene Ziele in der sterblichen Welt verfolgt. Allerdings verschiebt sich diese Zweckgemeinschaft zunehmend, je mehr Emilia über die Umstände von Wraths Beschwörung und über ihre eigene Familie erfährt. Maniscalco verbindet sizilianische Hexerei mit einer Hölle voller Machtkämpfe und schafft damit einen Rahmen, in dem Misstrauen und Zuneigung parallel wachsen, ohne dass eines das andere vollständig verdrängt.
The Wrath and the Dawn von Renée Ahdieh
Shahrzad meldet sich freiwillig als Braut des jungen Kalifen Khalid, der jede seiner Frauen nach der Hochzeitsnacht töten lässt, um den Mord an ihrer besten Freundin zu rächen. Ihr Plan sieht vor, Khalid zu töten, sobald sich die Gelegenheit bietet, doch die Nächte, in denen sie ihm Geschichten erzählt, um ihre eigene Hinrichtung hinauszuzögern, verändern etwas zwischen ihnen. Khalid selbst trägt ein Geheimnis, das seine grausamen Taten in einem anderen Licht erscheinen lässt, sobald es sich offenbart. Dadurch verlagert sich der Konflikt von reiner Rache hin zu der Frage, ob Verständnis für die Beweggründe einer Tat diese auch entschuldigen kann. Ahdiehs Bearbeitung von Tausendundeiner Nacht funktioniert deshalb so gut, weil Shahrzads Hass nie künstlich wirkt, sondern aus einem klar benannten Verlust entsteht.
Divine Rivals von Rebecca Ross
Iris Winnow und Roman Kitt konkurrieren am selben Zeitungsverlag um dieselbe Stelle als Kolumnist, wobei Roman von Anfang an kühl und überheblich auftritt. Ohne es zu wissen, kommunizieren beide jedoch über verzauberte Schreibmaschinen miteinander, da Iris eigentlich Briefe an ihren vermissten Bruder schreibt, die stattdessen bei Roman landen. Dadurch entsteht eine Situation, in der Iris ihren anonymen Brieffreund schätzt, ohne zu ahnen, dass es sich um ihren Rivalen im Büro handelt. Ross nutzt diese Doppelidentität geschickt, um Nähe und Ablehnung gleichzeitig zu erzählen, bevor beide Handlungsstränge schließlich zusammenlaufen. Vor dem Hintergrund eines Krieges zwischen Göttern verbindet das Buch klassische Brieffreundschafts-Romantik mit einem spürbaren Kriegsalltag, wodurch die Beziehung nie im luftleeren Raum bleibt.
The Hurricane Wars von Thea Guanzon
Talasyn kämpft als Soldatin gegen das Nachtimperium und trägt eine seltene Lichtmagie in sich, die vor Jahren fast vollständig ausgelöscht wurde. Prinz Alaric, der Erbe des Nachtimperiums und Träger der gegensätzlichen Schattenmagie, erhält den Auftrag, genau diese Bedrohung zu vernichten. Ein politisches Bündnis zwingt beide schließlich in eine Zweckehe, obwohl sie sich zuvor auf dem Schlachtfeld mehrfach gegenseitig zu töten versuchten. Dadurch entsteht eine der direkteren Umsetzungen des Tropes, da Talasyn und Alaric buchstäblich als Repräsentanten zweier verfeindeter Mächte aufeinandertreffen, bevor überhaupt persönliche Gefühle ins Spiel kommen. Guanzon, deren Debüt aus einer Fanfiction-Tradition hervorgegangen ist, verbindet südostasiatisch inspiriertes Worldbuilding mit einem Slow Burn, der sich Zeit lässt, bevor aus Misstrauen etwas anderes wird.
Wer noch unsicher ist, wo er anfangen soll, kann sich grob an der eigenen Stimmung orientieren. Wenn du politische Hofintrigen und langsame Annäherung über mehrere Bände magst, bist du mit dem Feenhof aus The Cruel Prince oder mit A Court of Thorns and Roses gut bedient. Wer es actionreicher und militärischer mag, findet in Fourth Wing und The Hurricane Wars die direktere Variante, bei der Krieg und Zuneigung buchstäblich auf demselben Schlachtfeld entstehen. Und wer lieber leise Spannung über Briefe und geteilte Geheimnisse bevorzugt, liegt mit Divine Rivals richtig, da dort die Feindschaft im Berufsalltag beginnt und erst über Umwege zu echter Nähe wird.
Ein Punkt verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Viele dieser Bücher sind Auftakte zu mehrbändigen Reihen, in denen sich die Beziehung der Hauptfiguren über hunderte Seiten hinweg entwickelt. Wer schnelle Auflösung erwartet, sollte sich also darauf einstellen, dass die Versöhnung selten im ersten Band vollständig abgeschlossen ist. Dennoch lohnt sich gerade diese Geduld, weil sie den Unterschied ausmacht zwischen einem Buch, das den Trope nur behauptet, und einem, das ihn tatsächlich erzählerisch verdient. Wer wenig Zeit hat, kann sich also getrost auf einen der ersten Bände dieser Liste beschränken, ohne befürchten zu müssen, mitten in einer unfertigen Geschichte zu landen, da jeder Auftakt für sich genommen einen abgeschlossenen Handlungsbogen bietet.
Wer sich durch diese elf Bücher liest, wird feststellen, dass die stärksten Beispiele des Tropes nie allein auf Anziehung setzen. Der Konflikt zwischen den Figuren muss etwas bedeuten, sei es ein Krieg, ein Verrat oder eine Loyalität, die eigentlich unvereinbar erscheint, damit die spätere Annäherung überhaupt etwas wert ist. Genau darin liegt vermutlich auch der Grund, warum sich dieser Trope in der Fantasyliteratur so hartnäckig hält: Er zwingt zwei Figuren dazu, ihre eigenen Überzeugungen infrage zu stellen, bevor sie sich einander zuwenden können.










