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Deutsche Fantasy, die du kennen solltest: 9 Bücher abseits der englischsprachigen Bestsellerlisten
Nicht nur der englischsprachige Raum ist für seine Fantasy bekannt. Auch in Deutschland sind in den letzten Jahren herausragende Fantasybücher erschienen, bei denen viele Leserinnen und Leser gar nicht auf dem Schirm haben, dass sie von deutschen Autorinnen und Autoren stammen. Wer im Buchladen an den bunten Regalreihen vorbeigeht, denkt bei „Fantasy“ fast automatisch an Tolkien, Sanderson oder Martin. Dabei liegt einiges an spannendem Lesestoff viel näher, als man denkt.
Wer wenig Zeit zum Lesen hat, kennt das Problem: Man will sich nicht durch zehn Bände einer Reihe kämpfen, nur um am Ende festzustellen, dass einem die Welt oder die Charaktere nicht liegen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf das, was tatsächlich in der Geschichte passiert, bevor man Geld und Lesezeit investiert. Genau das soll dieser Artikel leisten: Er stellt neun Werke deutscher Fantasy-Autorinnen und -Autoren vor, ordnet sie inhaltlich ein und zeigt, für wen sie sich eignen.
Die Zwerge von Markus Heitz

Markus Heitz gilt bis heute als einer der erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren, und „Die Zwerge“ ist der Grund dafür. Im Mittelpunkt steht Tungdil, ein Zwerg, der fernab seines Volkes bei Menschen und einem Magier aufwächst und die Zwergenreiche nur aus Erzählungen kennt. Als dunkle Mächte, angeführt von Orks und den feindseligen Albae, den Norden des Landes überrennen und eine Seuche über das Reich bringen, wird ausgerechnet Tungdil zu einer zentralen Figur im Widerstand. Heitz entwirft dafür eine dicht ausgearbeitete Welt mit fünf Zwergenstämmen, mehreren Königreichen und eigenen Zaubertraditionen, in der sich die Charaktere trotz aller Komplexität schnell warm anfühlen. Für alle, die High Fantasy im Stil von Tolkien mögen, aber lieber die Perspektive der Zwerge statt der Menschen einnehmen wollen, ist das der naheliegende Einstieg.
Die Legende von Enyador von Mira Valentin

In Enyador teilen sich seit Jahrhunderten Elben, Drachen und Dämonen die Macht, während die menschliche Bevölkerung unter allen dreien leidet. Besonders hart trifft es die Erstgeborenen der Menschen, die als Soldaten in den Krieg gegen die Drachen gezwungen werden. Einer von ihnen ist Tristan, ein Waisenjunge aus dem Dorf Burksmead, der sich der Unterdrückung widersetzt und damit eine Kette von Ereignissen lostritt, die eine uralte Prophezeiung wieder zum Leben erweckt. Auf seinem Weg begegnet er der Drachenfrau Saphira, dem Dämon Thul und den Elben-Zwillingen Istariel und Isora, deren Schicksale sich zunehmend mit seinem verweben. Mira Valentin verbindet klassische High-Fantasy-Motive mit einer sehr persönlichen Erzählweise und viel Beziehungsdynamik zwischen den Figuren, was der Reihe auch bei Fans romantischerer Fantasy Anklang verschafft hat.
Der Totengräbersohn von Sam Feuerbach

Im mittelalterlichen Dorf Haufen lebt der 18-jährige Farin als Sohn des Totengräbers am Rand der Gesellschaft, gemieden und verprügelt von den anderen Dorfbewohnern. Als die Dorfhexe stirbt und Farin sie für die Beerdigung herrichtet, entdeckt er an ihr ein geheimnisvolles Amulett, dem er nicht widerstehen kann. Mit dem Griff nach dem Schmuckstück beginnt eine Geschichte, in der rätselhafte Fremde im Dorf auftauchen, Morde geschehen und Farin sich schließlich in der Hütte der toten Hexe einem Vermächtnis stellen muss, das größer ist, als er ahnt. Sam Feuerbach erzählt das mit einem spürbar humorvollen, sarkastischen Grundton, der die düsteren Elemente der Geschichte auffängt, ohne sie zu verharmlosen. Wer Mittelalter-Settings mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor mag, ist hier richtig.
Der Lehrling des Feldschers von Greg Walters

Das Jahr 1642: Im Heiligen Römischen Reich tobt seit 24 Jahren der Dreißigjährige Krieg, als plündernde Soldaten dem jungen Gustav Familie und Zuhause nehmen. Der Wundarzt Martin nimmt ihn auf und offenbart ihm eine Wahrheit, die sein Weltbild auf den Kopf stellt: Es gibt Dämonen, die sich von Menschenfleisch ernähren, und Feldscher wie Martin sind dafür da, die Verletzungen der Soldaten zu versorgen, mit denen diese Dämonen ihren Teil des Kriegsgeschäfts erledigen. Gustav wird Martins Lehrling und lernt, zwischen medizinischer Realität und dämonischer Fantasy zu vermitteln. Was das Buch besonders macht, ist die Verbindung von historisch belegten Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges mit der erfundenen Dämonenwelt, sodass man beim Lesen nebenbei eine Menge über diese Epoche der deutschen Geschichte mitnimmt, ohne dass es je nach Schulstoff klingt.
Die Akademie der schwarzen Feldschere von Greg Walters

Passend dazu gibt es die Vorgeschichte: Wir schreiben das Jahr 1619, ganz zu Beginn des Krieges. Lukas wird von seinem eigenen Vater an eine Horde plündernder Landsknechte verkauft und muss mit seinem Maultier Jolande ins Heerlager ziehen. Als dort eines Nachts eine grüngeschuppte Kreatur eine Gruppe Soldaten massakriert und ein sterbender Gefangener ihn bittet, einen Brief nach Prag zu bringen, desertiert Lukas und riskiert sein Leben für diese Aufgabe. In Prag angekommen, gerät er an die titelgebende Akademie der schwarzen Feldschere, eine geheime Institution, die Dämonen erforscht und bekämpft, und muss sich dort tödlichen Prüfungen stellen. Der Band lässt sich unabhängig vom „Lehrling des Feldschers“ lesen, gibt aber allen, die die Hauptreihe kennen, einen tieferen Blick in deren Ursprünge.
Hidden Worlds von Mikkel Robrahn

Auch auf Deutsch kann die Artussage in eine moderne Geschichte einfließen, und genau das macht Mikkel Robrahn mit seiner „Hidden Worlds“-Trilogie. Vor Jahrhunderten gelang es der Kirche, das Portal nach Avalon zu schließen, wodurch Elfen, Zwerge und andere magische Wesen in unserer Welt strandeten. Elliot Craig, Anfang zwanzig und auf Jobsuche in Edinburgh, landet zufällig im Merlin-Center, einem Kaufhaus für alles Phantastische, und stößt dort auf Hinweise zu einem Kompass, der den Weg zurück nach Avalon weisen soll. Zusammen mit der Elfe Soleil begibt er sich auf die Suche und gerät dabei in Konflikt mit der Inquisition, die seit Jahrhunderten alles bekämpft, was nicht menschlich ist. Die Geschichte verbindet keltische Mythologie mit einem waschechten Urban-Fantasy-Alltag und bringt dabei durchgehend Humor mit ein, was sie besonders für Leserinnen und Leser interessant macht, die neu im Genre sind.
Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär von Walter Moers

„Ein Blaubär hat 27 Leben. Dreizehneinhalb werde ich in diesem Buch preisgeben“, so beginnt Walter Moers‘ erster Roman und zugleich der erste Ausflug in seinen fantastischen Kontinent Zamonien. Erzählt wird die Kindheit und Jugend des Blaubären, der als Findelkind bei Zwergpiraten aufwächst, später bei Klabautergeistern ausgesetzt wird und im Verlauf der Geschichte unter anderem Waldspinnenhexen, Stollentrollen, einem kopflosen Riesen und einem siebenhirnigen Professor begegnet. Jedes seiner Leben ist ein eigenes, in sich abgeschlossenes Abenteuer voller absurder Wesen und Wortspiele, die typisch für Moers‘ Stil geworden sind. Wer Fantasy mit sehr viel Sprachwitz und einer ordentlichen Portion Albernheit sucht, findet hier einen der eigenwilligsten deutschen Romane des Genres überhaupt.
Rubinrot von Kerstin Gier

Auch romantisch geht in der deutschen Fantasy gut, wie Kerstin Gier mit „Rubinrot“ zeigt. Die 16-jährige Gwendolyn Shepherd führt ein unauffälliges Leben in London, bis sie mitten auf der Straße unfreiwillig in die Vergangenheit springt. Eigentlich sollte ihre Cousine Charlotte, die jahrelang darauf vorbereitet wurde, das Zeitreise-Gen ihrer Familie tragen, doch stattdessen trifft es Gwendolyn. Unter der Aufsicht der geheimnisvollen Loge des Grafen von Saint Germain beginnt für sie eine Ausbildung, in der sie gemeinsam mit dem ebenso attraktiven wie undurchsichtigen Gideon zwischen den Zeiten navigieren muss, während beide nach und nach mehr über eine jahrhundertealte Prophezeiung erfahren. Gier verbindet Zeitreise-Fantasy mit jugendlichem Alltag, britischem Setting und einer gehörigen Portion Situationskomik, was das Buch auch für Leserinnen und Leser attraktiv macht, die sonst eher selten zu Fantasy greifen.
Die Geheimnisse der Âlaburg von Greg Walters

Auch hier geht es um verschiedene Völker und eine ganz besondere Freundschaftsgruppe. Der 16-jährige Leik ist Jäger-Lehrling und verbringt einen Winter, der sein Leben komplett verändert: Er trifft seine erste große Liebe, wird an der Âlaburg aufgenommen, einer Universität, an der Magie gelehrt wird, und findet dort zum ersten Mal echte Freunde. Zu ihnen gehören der Zwerg Morlâ, der trotz seines Volkes nicht zaubern kann, der übergewichtige, aber hervorragend kochende Zwergelbe Filixx und ein Ork, der von seinem eigenen Volk verstoßen wurde. Gemeinsam müssen die vier lernen, dass Völkerunterschiede zwischen Menschen, Zwergen, Elben und Orks weniger zählen als das, was sie verbindet, während sich am Horizont bereits eine größere Bedrohung für ihre Welt abzeichnet. Für Fans von Schulwelten wie Hogwarts, die gerne eine eigenständige deutsche Version davon lesen wollen, ist das ein naheliegender Griff.
Häufige Fragen zu deutscher Fantasy
Muss ich die Bücher in einer bestimmten Reihenfolge lesen? Bei den meisten der vorgestellten Titel handelt es sich um den Auftakt einer Reihe, sodass man einfach mit Band eins beginnen kann. Eine Ausnahme ist „Die Akademie der schwarzen Feldschere“: Sie spielt zeitlich vor „Der Lehrling des Feldschers“, lässt sich aber laut Verlag auch unabhängig davon lesen, wenn man lieber chronologisch vorgehen möchte.
Ich habe kaum Zeit zum Lesen, was empfiehlt sich als Einstieg? Wer wenig Lesezeit hat, fährt mit einem in sich abgeschlossenen ersten Band gut, etwa „Der Totengräbersohn“ oder „Die Geheimnisse der Âlaburg“. Beide Reihen lassen sich in Portionen lesen, ohne dass man den Überblick verliert, weil die Autorinnen und Autoren zu Beginn jedes Bandes genug Kontext liefern.
Sind die Bücher auch als Hörbuch erhältlich? Ja, praktisch alle genannten Titel gibt es als Hörbuch, häufig sogar mehrfach vertont. Gerade für Leserinnen und Leser, die Bücher lieber unterwegs oder nebenbei konsumieren, ist das eine gute Alternative, um trotz wenig freier Zeit durch eine Reihe zu kommen.
Eignen sich diese Bücher auch für Einsteigerinnen und Einsteiger ins Fantasy-Genre? Durchaus. „Rubinrot“ und „Hidden Worlds“ sind bewusst zugänglich geschrieben und verzichten auf ausufernde Weltenbau-Details, während „Die Zwerge“ und „Die Legende von Enyador“ eher klassische High Fantasy mit dichterer Weltenschöpfung bieten. Wer unsicher ist, sollte mit den zugänglicheren Titeln beginnen.
Woher bekomme ich diese Bücher am besten? Die meisten Titel, gerade die von Selfpublishing-Autorinnen und -Autoren wie Sam Feuerbach, Mira Valentin und Greg Walters, sind direkt über die Verlagsseiten der Autoren, im lokalen Buchhandel per Bestellung oder als E-Book und Hörbuch bei den gängigen Anbietern erhältlich.
Die deutsche Fantasy-Szene hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Bandbreite entwickelt, von klassischer High Fantasy über historisch verankerte Dämonengeschichten bis hin zu Urban Fantasy und romantischer Zeitreise-Literatur. Wer beim nächsten Griff ins Bücherregal einmal bewusst nach deutschen Namen sucht, wird vermutlich überrascht sein, wie viel davon bereits im eigenen Regal steht, ohne dass es aufgefallen ist.