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Fantasybücher mit Drachen: eine Übersicht
Wer sich für Fantasy mit Drachen interessiert, steht vor einem Problem, das paradoxerweise aus der Beliebtheit des Themas selbst entsteht. Es gibt inzwischen so viele Reihen, dass die Auswahl selbst zur Aufgabe wird, besonders wenn die Lesezeit begrenzt ist und ein mehrbändiges Werk eine Entscheidung für mehrere Monate bedeutet. Im Folgenden geht es um zehn Bücher beziehungsweise Reihen, die sich im Genre etabliert haben oder gerade etablieren, mit einer kurzen Einordnung, was sie jeweils auszeichnet und für wen sie sich eignen.
Warum Drachen im Genre so präsent sind
In vielen Mythologien tauchen Drachen als Wesen zwischen zwei Polen auf, als Zerstörer und als Beschützer, je nach Erzählung. Diese Doppeldeutigkeit lässt sich literarisch nutzen: Ein Drache muss in einer Geschichte nicht zwingend ein Gegner sein, den es zu besiegen gilt, er kann auch eine Macht darstellen, mit der eine Figur umgehen lernen muss. Der Begriff selbst geht auf das griechische Wort drakon zurück, das ursprünglich ein großes Schlangenwesen bezeichnete. Flügel, Feuer und die heute typische Intelligenz kamen erst im Lauf der Jahrhunderte hinzu.
Fourth Wing von Rebecca Yarros
Die Geschichte folgt Violet Sorrengail, die eigentlich für ein Leben zwischen Büchern vorgesehen war und stattdessen an einer Kadettenschule ausgebildet wird, an der angehende Drachenreiter geprüft werden. Wer dort scheitert, überlebt häufig nicht, und Violet ist körperlich schwächer als die meisten anderen Anwärter. Die Kapitel sind kurz gehalten, das Erzähltempo ist hoch, was das Buch auch für kürzere Leseeinheiten geeignet macht, etwa auf dem Arbeitsweg. Die Reihe verbindet die Drachenhandlung mit einer Romanze und hat inzwischen mehrere neuere Reihen im deutschsprachigen Raum beeinflusst, die sich erkennbar an ihrem Ton orientieren.
Die Feuerreiter Seiner Majestät von Naomi Novik
Novik verlegt ihre Drachengeschichte in eine alternative Version der napoleonischen Kriege, in der Drachen als Teil der Luftstreitkräfte eingesetzt werden. Kapitän Will Laurence findet einen Drachen namens Temeraire und wird dadurch Teil des britischen Luftkorps. Die Verbindung aus historischem Setting und Fantasyweltbau unterscheidet sich von den meist mittelalterlich geprägten Settings des Genres. Die einzelnen Bände lassen sich weitgehend unabhängig voneinander lesen.
Eragon von Christopher Paolini
Ein Bauernjunge findet einen Stein, aus dem eine Drachin schlüpft, und wird dadurch in einen Konflikt gezogen, der über sein Dorf hinausreicht. Zentral ist die Beziehung zwischen Eragon und seiner Drachin Saphira, die sich über die vier Bände der Reihe entwickelt. Die Sprache ist zugänglich, ohne dabei die Komplexität der Welt zu verkürzen, was die Reihe für Einsteiger in klassische Heldenreisen geeignet macht. 2023 erschien mit Murtagh eine Fortsetzung, die an die Handlung um eine der Nebenfiguren anknüpft.
Highfire von Eoin Colfer
Vern, einst als Lord Highfire gefürchtet und verehrt, ist der letzte bekannte Drache und lebt zurückgezogen in den Sümpfen Louisianas, wo er seine Zeit mit Wodka und altem Fernsehen verbringt. Seine Ruhe endet, als der vierzehnjährige Squib Moreau ihn zufällig entdeckt und beide sich gegen einen korrupten Polizisten behaupten müssen, der es auf Squibs Familie abgesehen hat. Colfer, bekannt durch die Jugendbuchreihe Artemis Fowl, verlegt den Drachenmythos hier in ein gegenwärtiges, unmagisches Umfeld und verbindet das mit trockenem Humor statt mit dem gewohnten mittelalterlichen Rahmen. Das Buch ist deutlich kürzer als die meisten Reihen in dieser Liste und eignet sich daher für Leser, die eine abgeschlossene Geschichte statt eines mehrbändigen Projekts suchen.
Die Regenwildnis-Chroniken von Robin Hobb
In dieser Reihe wachsen Drachen aus verkümmerten Seeschlangen heran, die einst Zugang zum Meer brauchten, um sich vollständig zu entwickeln, und denen dieser Zugang durch äußere Umstände verwehrt wurde. Eine Gruppe junger Menschen, die selbst am Rand ihrer Gesellschaft steht, übernimmt die Aufgabe, die geschwächten Drachen entlang eines gefährlichen Flusses zu einer sagenhaften Stadt zu begleiten. Hobb beschreibt Drachen dabei weniger als übermächtige Fabelwesen, sondern als eigenständige, oft eigensinnige Figuren mit eigenen Interessen, die nicht zwangsläufig mit denen der Menschen übereinstimmen. Die Reihe knüpft an Hobbs frühere Werke im selben Weltenbau an, lässt sich aber auch ohne deren Kenntnis verfolgen.
Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin
Drachen spielen hier erst im Verlauf der Handlung eine größere Rolle, vor allem über die Figur der Daenerys Targaryen und ihre drei Drachen. Die Reihe ist politisch geprägt und verlangt Geduld, da eine Vielzahl an Figuren und Handlungssträngen parallel geführt wird. Wer sich darauf einlässt, sollte einplanen, sich über einen längeren Zeitraum mit der Handlung zu beschäftigen.
Asrai von Liane Mars
Die vierbändige Reihe beginnt mit Asrai – Das Portal der Drachen und folgt Elaja, die trotz fehlender Mittel eine Ausbildung zur Drachenreiterin beginnt. Ohne eigenen Drachen ist die praktische Prüfung jedoch kaum zu bestehen, weshalb sie mit dem traumatisierten Drachenreiter Ian einen Handel eingeht, der beide in ein Geflecht aus Geheimnissen und erwachender Magie zieht. Die Reihe wird häufig im selben Umfeld wie Fourth Wing gelesen und positioniert sich erkennbar in diesem Segment aus Drachenwelt und Romantasy. Die Rezeption fällt unterschiedlich aus, von begeisterten Stimmen bis zu kritischeren Einschätzungen zum Schreibstil, was bei einer noch laufenden Reihe aus dem deutschsprachigen Selfpublishing nicht ungewöhnlich ist.
Dragon Games von Ursa Jaumann
Vic träumt seit ihrer Kindheit davon, den legendären Drachenrittern anzugehören, doch der Zugang zu dieser Elite ist Frauen offiziell verwehrt. Um ihrem Ziel näherzukommen, gibt sie sich über Jahre als Mann aus und durchläuft die Ausbildung zum Knappen. Die im Umfeld der beginnenden Industrialisierung angesiedelte Reihe verbindet die Drachenhandlung mit Themen wie sozialer Ungleichheit und der Stellung von Frauen in einer starren Gesellschaftsordnung. Auch diese Reihe wird von Verlagsseite und Lesern häufig im Umfeld von Fourth Wing verortet, unterscheidet sich davon aber durch das historisch angelehnte Setting einer Industriegesellschaft statt eines klassisch mittelalterlichen Rahmens.
Der Orden des geheimen Baumes von Samantha Shannon
Im Königreich Inys gilt die Herrschaft von Königin Sabran als letztes Hindernis gegen die Rückkehr der Drachen, während im fernöstlich geprägten Seiiki dieselben Wesen als Götter verehrt werden. Zwischen beiden Polen bewegen sich drei Frauen: die Königin selbst, ihre als Zofe getarnte Magierin Ead vom titelgebenden Orden und die junge Drachenreiterin Tané. Shannon baut damit zwei gegensätzliche Sichtweisen auf Drachen in eine gemeinsame Welt ein, gut und böse werden nicht global, sondern je nach Kulturkreis unterschiedlich verhandelt. Im Deutschen erschien der ursprünglich einbändige Roman aus Umfangsgründen aufgeteilt in mehrere Bücher, was beim Einstieg zu beachten ist.
Orientierung nach Lesegewohnheiten
Wer wenig Zeit hat und kurze Kapitel bevorzugt, ist mit Fourth Wing oder Dragon Games besser bedient als mit Das Lied von Eis und Feuer, dessen Kapitel deutlich dichter geschrieben sind. Wenn du eine in sich abgeschlossene Geschichte ohne Mehrbändigkeit suchst, findest du das am ehesten bei Highfire. Wer eine klassische Heldenreise mit einer engen Beziehung zwischen Mensch und Drache sucht, findet das am ehesten bei Eragon. Wer ein ungewöhnliches Setting abseits des Mittelalters mag, sollte bei Die Feuerreiter Seiner Majestät oder Dragon Games ansetzen. Für ein episches Gesamtwerk mit vielen Figuren eignen sich Das Lied von Eis und Feuer und Der Orden des geheimen Baumes, während die Regenwildnis-Chroniken eine ungewöhnlichere, weniger heroisch gedachte Perspektive auf Drachen bieten und Asrai für Leser infrage kommt, die die Romantasy-Nähe von Fourth Wing suchen.
Häufige Fragen
Welches Buch eignet sich für den Einstieg? Fourth Wing, Eragon und Highfire sind alle drei zugänglich geschrieben, wenn auch mit sehr unterschiedlichem Ton. Wer die romantische Komponente von Fourth Wing nicht möchte, findet in Eragon eine klassischere Heldenreise und in Highfire eine humorvollere, in sich abgeschlossene Alternative.
Lohnt sich eine mehrbändige Reihe bei begrenzter Lesezeit? Das hängt von den Lesegewohnheiten ab. Bei kurzen Leseeinheiten, etwa unterwegs oder vor dem Schlafen, sind Reihen mit kürzeren Kapiteln wie Fourth Wing oder Dragon Games praktischer als Werke mit langen, dichten Kapiteln wie Das Lied von Eis und Feuer.
Sind Hörbücher eine Alternative zum Lesen? Für mehrere der genannten Titel, darunter Fourth Wing, Die Feuerreiter Seiner Majestät und Highfire, existieren produzierte Hörbuchfassungen, die sich auch bei Tätigkeiten wie Kochen oder Pendeln nutzen lassen.
Muss ich die Bücher in einer bestimmten Reihenfolge lesen? Innerhalb einer Reihe bauen die Bände in der Regel aufeinander auf, das gilt etwa für Asrai, Dragon Games und die Regenwildnis-Chroniken. Zwischen den hier genannten Werken besteht dagegen keine Verbindung, die Reihenfolge der Lektüre lässt sich also frei wählen.
Was, wenn ein Buch nach den ersten Kapiteln nicht überzeugt? Nicht jedes Buch passt zu jedem Leser, unabhängig davon, wie bekannt oder gut bewertet es ist. Gerade bei aktuellen Selfpublishing-Reihen wie Asrai oder Dragon Games fallen Leserurteile unterschiedlich aus, die Einordnung nach Lesegewohnheiten oben kann helfen, von vornherein eine Reihe zu wählen, die zum eigenen Geschmack passt./








